2014: RITUAL BODY - POLITICAL BODY

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Nach der ersten Ausgabe "Hybrider Körper - Poetischer Körper", welche im Dezember 2012 in Palazzo Bembo stattfand präsentiert sich die VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK nun in ihrer zweiten Ausgabe vom 13. bis zum 20. Dezember 2014 im Palazzo Mora in Venedig, dieses Mal unter dem Fokus "Ritueller Körper - Politischer Körper".

Das Ausstellungs-Projekt mit Fokus auf Performance-Kunst zeigt in seiner zweiten Auflage Arbeiten von mehr als 50 internationalen Performance-Künstlern, einige davon präsentiert in Zusammenarbeit mit kulturellen Institutionen und Stiftungen. Pioniere dieser Kunstform stellen Seite an Seite mit etablierten und jungen Künstlern aus, und zeigen somit historische Einflüsse sowie aktuelle Tendenzen im Bereich dieser Kunst auf.

Das dynamische, einwöchige Programm umfasst live Performances, historische Foto- und Videodokumentationen, Installationen, Konferenzen, tägliche Künstlergespräche, einen Study Room und Movie Room, und den Austausch mit den anwesenden, teilnehmenden Künstlern und Kuratoren.

Es ist der VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK in dieser zweiten Ausgabe "Ritueller Körper - Politischer Körper" ein Anliegen, dem Publikum eine breite Spannweite an Konzepten zu bieten: Kunst als ziviler Verhandlungsraum, in welchem humanitäre und ethische Werte im Mittelpunkt stehen; Interkonnektivität; politische Auseinandersetzung; Utopie; Ökologie; soziale und individuelle Konflikte und Verantwortungen und wie das Selbst sich damit in Verbindung setzt, bei einer gleichzeitigen Anerkennung der Tatsache, dass die Präsenz des Menschen auf dieser Welt mehr ist als nur ein vorübergehender Zustand.

Weiterhin möchte das Projekt die direkte und offene Kommunikation zwischen den Künstlern und dem Publikum ermöglichen. Die Themen der Kunstwoche zielen auf die Notwendigkeit, soziale Beziehungen und das Leben des Einzelnen mit größerer Sorgfalt zu betrachten.

Die live Performances und die Ausstellungsarbeiten eröffnen zudem Reflektionsraum dafür, wie sinnvolle Mechanismen zur positiven Veränderungen durch zeitgenössische Kunst und Kultur gefunden und gefördert werden können.

Die VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK möchte die renommierte Kunstszene in Venedig mit der mutigen Kunstform der Performance-Kunst bereichern.

 

 

UNTERSCHIEDE KENNTLICH MACHEN – UNTERSCHIEDE DENKEN

 

Rituale und Politik sind mit der Geschichte der Menschheit und mit der Beziehung, die der Mensch mit seinem Körper hat, untrennbar verbunden. So sind auch beide mit Zuständen der kontinuierlichen Veränderung und Transformation verknüpft und liegen Kommunikationsmethoden zugrunde. Als die ersten "Performances" können wir vielleicht jene Praktiken von Gruppen ansehen, die sich seit jeher am Lagefeuer Geschichten überliefern und Handlungen vollführen, denen sie die Kraft zusprechen, externe, soziale oder persönliche Kräfte zu erwecken um somit einen positiven Einfluss auf aktuelle Zustände zu haben.

Die zweite Auflage der VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK erkundet in welchen Punkten individuelle, soziale und politische Bereiche miteinander verbunden sind, und wie diese durch rationelle und spirituelle Entscheidungen, welche die Menschheit trifft, beeinflusst werden; denn Entscheidungen werden weiterhin auf der Grundlage vorübergehender oder anhaltender Überzeugungen getroffen.

Mit ihrer unbestrittenen menschlichen Qualität fragt die Performance-Kunst, ursprünglich und viszeral, nach den Wurzeln ihrer Praxis, welche sowohl in primordialen Ritualen und urtümlichen Bräuchen liegen, als auch in kollektiven Strömungen des Aktiv-Werdens, des sich gegen Ungerechtigkeiten und Missachtungen Stellens. Performance-Kunst ist heute noch immer eine umstrittene Praxis, denn sie ist trotz ihrer Flüchtigkeit auch ein point break veralteter Gewohnheiten und sozialer Konditionierungen. Daher kann sie auch als eine Art poetische Übertretung der Mauer der Gleichgültigkeit verstanden werden.

Die VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK möchte eine Woche lang zur Begegnungen einladen sowie zum freien und permissiven Austausch zwischen internationalen Kulturschaffenden und dem Publikum. Themen wie Formalismus, Gewohnheiten, Macht, Symbole, Strukturen, Glaube, Ideale, sowie sozio-politische Fakten, Visionen und Utopien werden hier aus einer internationalen künstlerischen Perspektive beleuchtet.

Auch in dieser zweiten Auflage der VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK steht wiederholt der Mensch im Mittelpunkt der Kunst, dieses Mal unter dem kritischen, konzentrierten Blick auf seine Vielzahl von Haltungen, Überzeugungen und Modi; im Spiegel betrachtet oder, noch aufmerksamer, durch ein Vergrößerungsglas.

“Performance is, for me, an attempt to discover a language or method of communication, which bypasses social and individual barriers as sound does. The most important aspect of performance is the elimination of media or mediating or condition. The action is performed live and in front of its receiver. It exists only on these terms and in this context and no other: like eating.” ~ Terry Fox

 

 

VERSAMMELN UND BEGEGNEN

 

Der Satz von Daniel Goleman: "Einberufung einer Sitzung ist ein politischer Akt an sich", welcher bereits in mehreren englischsprachigen Wörterbüchern unter "politisch" angeführt wird, repräsentiert auch den Geist der zweiten VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK "Ritueller Körper - Politische Körper".

Die VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK möchte Venedig ein weiteres, alternatives Kunstevent-Modell bieten; die erste Ausgabe hat der teilnehmende singapurische Künstler Lee Wen treffend mit den folgenden Worten beschrieben: "Dies ist kein Zirkus, dies ist keine Show, keine Biennale, dies ist die Zusammenkunft von Künstlern und Menschen, die nach Perlen in den Flüssen der menschlichen Zivilisationen suchen und zusammenkommen, um zu teilen was sie gefunden haben."1

Die VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK versteht sich tatsächlich in erster Linie als Treffen von Künstlern und Publikum. Das Erleben von Performance-Kunst im Kontext eines dynamischen wechselseitigen Austauschs ist in der Tat schon Ritual und politischer Akt an sich. Kunst stellt hier einen Raum für zivile, zwischenmenschliche Gespräche dar, und beinhaltet Ideenaustausch und Generierung von Reflektionen in Echtzeit - eine grundlegende Qualität der Performance-Kunst.

Inspiriert vom Konzept des Gesamtkunstwerks und der Vorstellung dass das Leben Kunst ist und vice versa, hat sich das Ausstellungs-Projekt auch in diesem Jahr in seiner Vorbereitung und Präsentation als offen zugängliches people-project entwickelt. Ermöglicht ist das Projekt durch das Engagement vieler Einzelner, die an dieses Format glauben; ein Format, welches die unterschiedlichen Wege, die Pioniere dieser Kunstform bereits eingeschlagen und durch ihre engagierte Arbeit geebnet haben, erkunden und eventuell neu werten will.

Das Anliegen ist in erster Linie ein menschliches, soziales und ökologisches, wie beispielsweise im Geiste von Joseph Beuys, Tehching Hsieh oder Allen Ginsberg, und somit wird die VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK auch weiterhin außerhalb von Markt- und Wirtschaftssystemen funktionieren, denn sie möchte zuallererst ein Ort der Begegnung, Inspiration und Kreativität sein. Das Projekt vertritt die Überzeugung, dass Kunst- und Kulturschaffende weiterhin kompromisslos bleiben sollten; unnachgiebig gegenüber Erwartungen des Marktes; freie Unternehmer und Verfechter der eigenen sozialen Verantwortungen.

Die Künstler der zweiten VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK "Ritueller Körper - Politische Körper" sind jene, welche durch ihre Arbeit konsequent der Vernichtung von Wünschen, Träumen und Utopien entgegenwirken. Damit stehen sie auch zugleich den Ursachen von eigennütziger politischer Zwielichtigkeit gegenüber, welche unweigerlich eine Korruption der menschlichen Grundwerte und Prinzipien schürt, sowie den Verlust der Würde des Menschen und seiner Kulturen mit sich bringt.

Entgegen der viralen Oberflächlichkeit und der durch Mediokratie erklärten Eitelkeit des Denkens und Verhaltens, welche Massenmedien und die Hegemonie politischer Parteien bewerben, bedingt die VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK verantwortungsvoll und transparent reagierende Künstler. Das Projekt zeigt, wie Künstler eine von Notwendigkeit und tiefgreifender Dringlichkeit angetriebene Position gegenüber der Geschichte einnehmen.

Lucrezia De Domizio Durini stellt in ihrem neuesten Buch Perché. Le sfide di una donna oltre l'arte dar, dass es "die Macht des Künstlers ist, etwas auszudrücken was die Menschheit umfasst, beinhaltet und ihr Weichen stellt; das ist die Aufgabe des Künstlers, denn Kunst nährt sich vor allem von dem, was die Gesellschaft verurteilt, ausschliesst und vergisst."2

Nach De Domizio Durini spielt der Künstler im Dienst der Gesellschaft eine Schlüsselrolle in der sozialen Transformation, weil er der Kunst eine zentrale Rolle im Leben einräumt und ihr eine Funktion zuträgt, welche die Art wie wir leben, denken und wahrnehmen verändert, und dadurch einen dynamischen Wandel endlosen Lernens ermöglicht.

"Kunst ist eine freie, alternative Form der menschlichen Existenz; ein Ort des Wesentlichen und der absoluten Spannungen, in welchem der Künstler nicht das Sichtbare wiedergibt, sondern durch verschiedene Ausdrucksweisen seine eigene Seele sichtbar macht."3

Kunst ist in erster Linie ein Ort, an dem das Bild einer Welt kultiviert wird, welche anders ist als wir sie kennen - und Performance-Kunst zeigt ebendies.

 

~ VestAndPage (Verena Stenke & Andrea Pagnes)

Kuratoren VENICE INTERNATIONAL PERFORMANCE ART WEEK

 

 

 

1. http://republicofdaydreams.wordpress.com/2012/12/23/there-was-no-beginning-since-there-was-no-end/

2. De Domizio Durini, Lucrezia. Perché. Le sfide di una donna oltre l’arte. Milano: Mondadori, 2013. In: Cerretelli, Maria Teresa. "Intervista a Lucrezia De Domizio Durini". In: Wall Street International Arte (e-magazine, 07. August 2013).

3. Giacomelli, Marco Enrico. "Beuys e gli artisti del silenzio. Intervista con Lucrezia De Domizio Durini." In: Artribune (e-magazine. 01. August 2013).

 

 

 


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